Nachhaltige Technologieführerschaft durch Forschung und Entwicklung

Ein Interview mit Dr. Géza Avar, Innovation Head der Business Unit Polyurethanes von Bayer MaterialScience.

Herr Dr. Avar, Polyurethane sind von Otto Bayer und Mitarbeitern bereits 1937 erfunden worden. Kann es in dieser Werkstoffgruppe da überhaupt noch Innovationen geben?

Unsere Antwort ist ein klares Ja, denn Polyurethan ist nach wie vor der vielseitigste Kunststoff. Unsere Produkte werden heute unter anderem in Fahrzeugen, Elektro- und Elektronikgeräten, Möbeln, Sport- und Freizeitartikeln und Schuhen eingesetzt. Dies nicht nur wegen der breitgefächerten mechanischen und chemischen Eigenschaften von Polyurethanen, sondern auch wegen ihrer Konstruktions- und Designmöglichkeiten. Zudem sparen sie Gewicht, senken im Transport-Bereich den Kraftstoffverbrauch, minimieren als Isolierungen den Wärmeverlust und sorgen für effiziente Dämmung in Gebäuden, Kältegeräten und Rohrleitungen. Forschung und Entwicklung sind daher ein elementarer Bestandteil unserer Geschäftsstrategie und eine entscheidende Voraussetzung für nachhaltiges und profitables Wachstum.

Das Zukunftspotenzial von Polyurethan ist also längst nicht ausgeschöpft?

So ist es. Zum Beispiel brauchen wir angesichts dynamischer globaler Wettbewerbsbedingungen möglichst sichere und effiziente Prozesse. Unsere neue Gasphasenphosgenierung zur Herstellung von Toluylendiisocyanat, einem Reaktionspartner bei der Polyurethan-Synthese, ist hier ein gutes Beispiel: Gegenüber konventionellen Verfahren benötigt unsere Technologie rund 80 Prozent weniger Lösungsmittel, verbraucht rund 60 % weniger Energie und senkt die Betriebskosten. Das ganze ohne Kapazitätsverlust, bei rund 20 Prozent niedrigeren Investitionskosten und einer signifikanten Reduktion der CO2-Emissionen. Bei einer 300kt Anlage um ca. 60.000 Tonnen jährlich.

Oder nehmen Sie unsere neue Multitec®-Technologie: Als lösungsmittelfreie Polyurethan-Sprühapplikation mit optionalem Glasfaserzusatz ersetzt sie konventionelle Verfahren auf Basis styrolhaltiger Polyesterharze, optimiert die kundenseitigen Produktionsprozesse und ermöglicht die ökonomische und ökologische Fertigung hochstabiler, leichter Formteile für ein breites Anwendungsspektrum.

Vor welchen kommenden Herausforderungen stehen Erfinderunternehmen wie Bayer MaterialScience Ihres Erachtens schon heute?

Weiterhin an der Seite unserer Kunden und Partner das volle Potenzial erneuerbarer Ressourcen auszuschöpfen. So etablieren wir derzeit eine neue Generation von Polyurethan-Schäumen unter Verwendung auf natürlichem Öl basierender Polyole – so genannter NOPs (Natural Oil based Polyols). Das Interesse daran wird immer größer.

Bislang war bei NOPs das Verhältnis zwischen Löslichkeit, Reaktivität und erzielbarer Dichte eher unbefriedigend – herkömmliche Polyole ließen sich damit nur bedingt ersetzen. Jetzt haben wir aber ein neues Verfahren zur wirtschaftlichen Herstellung solcher Polyole und den daraus resultierenden Schäumen entwickelt. Die dabei eingesetzten „natürlichen“ Polyole überzeugen durch gute physikalische Eigenschaften und eine größere Kompatibilität.

Darüber hinaus binden wir die Möglichkeiten der Industriellen Biotechnologie sowie der Nano- und Mikrotechnologie noch stärker in unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten ein, weil sich auch damit Prozesssicherheit und Verfahrensabläufe signifikant optimieren lassen.

Wie können Polyurethane auch künftig dazu beitragen, Energie zu sparen und den Treibhausgas-Effekt einzudämmen?

Bayer MaterialScience fühlt sich nicht erst seit der Klimawandel-Diskussion dem Schutz von Mensch und Natur verpflichtet. Denn es ist seit jeher eines unserer Leitmotive, mit ständig weiterentwickelten Polyurethanen gleichermaßen wertschöpfende wie umweltverträgliche Produkte zu ermöglichen. Das Energiesparhaus der Zukunft beispielsweise dürfte ohne clevere Polyurethan-Anwendungen kaum denkbar sein. Hier führt unser Polyurethanbereich bereits eine ganze Reihe neuer Systemlösungen im Programm. Darunter neuartige Wärmedämmsysteme für Wände, Dächer und Spezialprodukte für Photovoltaik-Anlagen. Aber auch in anderen bisher unbekannten – völlig neuen Anwendungsbereichen werden sich Polyurethane wegen ihrer hervorragenden Eigenschaften weiter durchsetzen. Und genau daran arbeiten wir intensiv.

Ist Bayer MaterialScience für all diese Herausforderungen gerüstet?

Dank unseres weltweiten Innovations-Netzwerks und großen Werkstoffwissens können wir den Markt jederzeit mit passgenauen Produktlösungen sowohl für aktuelle als auch für zukünftige Anforderungen versorgen. Dies stets unter Integration aussichtsreicher Hochtechnologien in unsere Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Auf diese Weise werden wir unsere Technologieführerschaft auch in Zukunft markt- und kundengerecht ausbauen.

Herr Dr. Avar, wir bedanken uns für das Gespräch.
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